Nun, wenn ich nicht gerade auf Arbeit bin und mir die neue Wohnung meines Chefs beschreiben lasse, die schlappe 900 € pro Monat kosten soll (Anmerkung des Autors: Ich verdiene ungefaehr 1100 € netto und bin damit betriebsintern Spitzenverdiener), dann spiele ich Poker.
Zur Zeit läuft es ganz gut und ich habe Pläne, aber beginne ich doch einfach mal von vorne – beziehungsweise mittdendrin; das kommt wohl auf den Betrachtungswinkel an.
Nachdem ich von Limit zu No-Limit gewechselt habe ging es mit meiner Broll zwar nicht schneller aufwaerts, geschweige denn konstant, aber ich habe definitv mehr Spaß an der Sache und bin mittlerweile an einem Punkt des Umdenkens angekommen.
Bisher hielt ich Bankrollmanagement für das größte Tabu in beim Spekulieren überhaupt. Wahrscheinlich ist das als Resultat aus einem fast vollständigen Verlust meines gesamten Pokerguthabens zu Beginn meiner Karriere vor knapp einem Jahr zu verstehen.
Inzwischen verhält es sich aber so, dass ich durch diverse missglückte Versuche mich auf NL200 zu etablieren gezwungen war abertausende Hände auf NL100 zu spielen. Und heute, da ich glaube sagen zu können den Sprung in die mittleren Limits endlich vollbracht zu haben, bin ich mir sicher das letzte niedrige Limit überdurchschnittlich gut zu schlagen.
Ich will in die hohen Limits – so schnell wie möglich. Nicht, dass das nicht ohnehin schon immer mein Ziel war. Doch als ich am Wochenende meinen bis dato größten Pot meiner Laufbahn erspielte und kurz darauf an zwei Tischen mit knapp $1000 saß habe ich Lunte gerochen. Die nächsten zwei bis vier Wochen werde ich mich noch an den 200er-Tischen aufhalten um mein Pre-Flop-Spiel an die neuen Herausforderungen optimal anzupassen. Zudem hoffe ich einige Tage Urlaub nehmen zu können um ausgewählte Events der Full Tilt Online Poker Series, kurz FTOPS, zu spielen.
Möglicherweise gelingt mir ja der große Coup und ich kann sorgenfrei meine anschließend geplanten ersten Gehversuche auf NL400 wagen. Wenn nicht habe ich trotzdem keine allzu großen Bedenken diesen Schritt zu gehen: Ich kann mein größtes Problem den Tilt beherrschen, oder besser: Ich will und kann mich beherrschen.
Obwohl ich noch nie so hoch gespielt habe glaube ich nicht an einen gravierenden Qualitätsunterschied im Spiel meiner Gegner und gehe folglich davon aus Gewinne einfahren zu können. Bleibt eigentlich nur zu hoffen, dass die nächste große Pechsträhne ein wenig auf sich warten lässt. Selbstvertrauen und Ausdauer habe ich zumindest.
Für alle, die sich für meinen bis dato größten Pot interessieren werde ich ihn hier kurz wiedergeben:
Wir sind zu sechst am Tisch. Zu meiner rechten saßen zwei weak-tighte Spieler, einer davon im BigBlind, der andere limpte in den Pot. Direkt zu meiner linken hatte ich einen, wie sich nach einiger Zeit herausgestellte, recht aggressiven Spieler, der nebenbei bemerkt eigentlich jeden Limp mit einem Raise bestrafte. Leider gab es bis dahin nie eine Hand in der ich es hätte ausnutzen können.
Doch diesmal hielt ich die Nuts – zwei Asse. Also tat ich es meinem rechten Nachbarn gleich und legte den Big-Blind. Zu meiner Überraschung tat das dann sowohl mein linker Sitznachbar als auch der Button. Glücklicherweise entschied sich Small-Blind den Pot zu stehlen und erhöhte übermäßig auf 10 BB, was augenblicklich vom Big Blind gecallt wurde.
Ich ließ mir relativ viel Zeit um ein halbes Table-Buy-in zur Tischmitte zu schieben worauf bis zum ursprünglichen Aggressor gefoldet wurde. Dieser nahm sich dann bis auf drei Sekunden die volle Bedenkzeit um 170 BB zu pushen. Der andere Spieler entschied sich deutschlich schneller weitere 90 BB zu callen.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen was ich für ein Grinsen im Gesicht hatte. Das blieb auch nach der Hand, meine Asse hielten übrigens 77 und QQ stand, noch eine ganze Weile dort und ich musste die Tische schließen, denn es war schier unmöglich einen klaren Gedanken zu fassen. $780, bzw. $550 netto, haben mich einfach vom Hocker geworfen.
Und was soll ich sagen, der Knoten scheint seitdem geplatzt und Mitte des nächsten Jahres scheint kein utopisches Ziel für NL1k zu sein.
Ich habe mir vorgenommen euch jetzt öfter auf dem laufenden zu halten.

