Wie versprochen ein kleiner Bericht zu meinem heutigen Abend – meinem ersten richtigen Live-Poker.
Ich war überrascht wie groß doch der Unterschied zwischen dem heutigen Abend und dem für mich fast alltäglichem Onlinespiel ist. Ich bilde mir ein von meiner Mutter gute Menschenkenntnis geerbt zu haben, zumindest bestätigten sich einige meiner ersten Eindrücke recht schnell.
Da gab es das Alphamännchen, der in der Hofpause verschmähten Kinder; Ein absoluter Maniac der unbedingt seine angebliche zwanzigjährige Erfahrung unter Beweis stellen wollte und so auf eine ordenliche Erhöhung und einen Call der beiden Rocks Trash pusht. Sein Qxo hatte natürlich keine Chance gegen QQ und, wenn ich mich nicht täusche, AK.
Sehr zur allgemeinen Unterhaltung beigetragen hat auch der nervöse Zu-Spät-Kommer. Er hatte scheinbar das Bedürfnis die verlorene Zeit wieder aufholen zu müssen, vielleicht wollte er auch nur einen netten Eindruck hinterlassen, jedenfalls spielte eigentlich jeden Pot - gleich in seiner ersten Hand flopt er einen Flush, der ihm vom schlecht bluffenden Henry, dem Coach, sogar voll ausbezahlt wird. Ich habe schwerenherzens zwei Paar am River abgelegt, hatte aber auch nicht sonderlich viel investiert.
Witzig war, als er einen bestimmt Betrag nicht callen konnte, versucht seinen Chip zu tauschen, er aber gesagt bekommt er solle dies während der Hand tun und er darauf hin "Ich leg’ erstmal Tausend" sagt und es tut.
Henry bestätigt seinen Raise auf die dreifache Potgröße woraufhin er fast, ach was schreib ich … Er flipt aus und kann erst nach knapp drei Minuten durch einen Reraise All-in um ungefähr 500 von Matthias etwas zur Ruhe gebracht werden. Er foldete dann übrigens aus Prinzip.
Eventuell sollte ich noch auf die Struktur des Spiels eingehen: Jeder bekam einen Stack im Wert von 2k Chips, die Option eines Rebuys sowie eine Jokerkarte. Mit ihr war es einem möglich zu jedem beliebigem Zeitpunkt irgendeine Karte, sei es aus dem Board oder der eigenen Hand (warum auch immer man das tun sollte) zu tauschen. Zum Glück gibt es soetwas normalerweise nicht.
Gespielt wurde dann mit Blinds von zehn und 20, später, als sich einige Protégés des letzten Wettbewerbs dazugesellten, auch mit Straddle sowie Restraddle – für mich absolut neu aber eigentlich recht interessant. Ich bin mir aber noch nicht sicher in welchen Situationen es sinnvoll ist.
Ich selbst habe im Gegensatz zu den anderen Spielern recht zeitig meinen Rebuy genutzt. Henry hatte offenbar gefallen daran so viele Chips wie nur möglich in den Pot zu werfen, er saß ja auch vor dem Koffer mit allen restlichen Chips, einfach um die Leute zu Entscheidungen zu drängen.
Leider hat er die Position, die er auf mich hatte so gut wie nie genutzt und ich sammelte mit C-Bets fleißig zwei, drei kleine Pötte, die ich nach einem versehentlichen Muck des Winners auch nötig hatte.
Nur ein einziges Mal hatte ich die Gelegenheit ihn in einem Family-Pot zu checkraisen, woraufhin er aber ablegte: Ich raiste aus mittlerer Position 54 und das J54-Board ganz gut. Warum mit diesem zweifarbigem Flop sonst niemand der vier oder fünf Caller etwas anfangen konnte bleibt ein Rätsel.
Ziemlich hirnrissig habe ich meinen Joker verblasen. Mit einem Straightdraw konnte ich billig bis zum River callen. Anstatt den Flushdraw zu spielen reiße ich den möglichen Draw am Board kaputt und stehle mir auf diese Weise selbst sieben Outs. Halb so schlimm, getroffen habe ich weder die Straße noch wäre aus dem Flush-Bluff etwas geworden.
Erst gegen Ende, als schon feststand, dass ich nur zum Recall darf wurde ich in zwei größere Pötte verwickelt. Beim ersten erhöhte ich mit QQ um meinen halben Stack, flope einen OESD K hi, schiebe den Rest hinterher.
Wahrscheinlich wollte Henry dann auch endlich mal eine Hand gegen mich spielen. Er meinte ich wäre sehr ruhig gewesen, weshalb der Einzug in die Zwischenrunde noch gefährdet sei – er ist sich bei mir einfach nicht sicher, meinte er.
Mittlerweile denke ich, diese Aussage als Kompliment auffassen zu können.
Jedenfalls hat er mir zum Schluss doch noch einen großen Pot für TPGK geschenkt. Hätte ich nicht nötig gehabt, denn ich war auch so im Plus.
Weiter geht es leider erst im nächsten Jahr, da der Coach außer Landes ist. Ich freue mich darauf und hoffe, dass es euch ein klein wenig genauso geht. Gestern erst habe ich festgestellt, dass wir hier auf madapez täglich um die 200+ Views haben. Seltsamerweise gibt es so gut wie nie einen Kommentar.
Gute Nacht, morgen muss ich pünklich bei einem Erste-Hilfe-Kurs aufkreuzen. Von daher breche ich an dieser Stelle einfach mal ab. Ich denke das wichtigste ist ohnehin bereits niedergeschrieben.